Wachet und betet – Stationen

2020 wird in die Geschichte eingehen als das Jahr, in dem alles anders war als sonst. Ja, wirklich alles, selbst so etwas Zeitloses wie die Kar- und Ostertage.

Als wir uns das erste Mal trafen, um die „Wachet und betet – Nacht“ für dieses Jahr vorzubereiten, war es noch unsicher, ob es einen Shutdown geben würde. Vieles im öffentlichen Leben war bereits abgesagt worden und es war fast klar, dass es demnächst auch keine Gottesdienste mehr geben würde.

…Und das kurz vor Ostern!

Sollten wir einfach alles absagen?

Ein Blick in die Runde und es war klar: Das kam nicht in Frage!

Genauso klar war aber auch, dass wir uns ein neues Konzept überlegen mussten. Wir entschieden, dass es mehrere Einzelstationen geben sollte, die jeder einzeln und zu den unterschiedlichsten Zeiten besuchen konnte. Anders als früher, sollte es nicht nur eine Wachenacht von Gründonnerstag auf Karfreitag werden, sondern ein breitgefächertes Angebot, das bis Ostern reichte.

Auf den Spuren der Jüngerinnen Jesu wollten wir wandeln. Jesus war ihnen, im Gegensatz zu seinen männlichen Zeitgenossen, immer auf Augenhöhe begegnet. Vielleicht auch deshalb, hielten sie ihm bis zum Schluss die Treue. Sie wurden zu den ersten Zeuginnen seiner Auferstehung.

Dabei waren die Frauen ganz unterschiedlich und hatten sehr individuelle Begegnungen mit Jesus. Darum waren auch die Stationen verschieden angelegt.

Man trauerte in St. Sebastian mit der Mutter Jesu und konnte dabei die eigene Trauer um Verstorbene vor Gott bringen. Man überlegte mit Veronika, wie man jemandem etwas Gutes tun könnte. In der Marienkapelle hielt man mit Maria Magdalena am Kreuz aus und konnte alles Belastende aufs Kreuz legen. An der Friedhofskapelle durfte man sich eine Stärkung mit Nardenöl schenken lassen, wie sie Jesus kurz vor seinem Tod erhalten hatte. Am Epiphanias Gemeindehaus legte man den Alltag einmal ab und hörte bei Maria und Marta in einem gemütlichen Lesesessel auf Gottes Wort. Ging man in den Garten konnte man am Brunnen der Samariterin ins kühle Blau des lebendigen Wassers eintauchen.

     

Ganz unterschiedlich wirkten die Stationen, ob man sie bei Tag oder bei Nacht besuchte. Wer mehrfach kam, durfte sich ab der Osternacht zudem über kleinere oder größere Veränderungen freuen. So wurde z. B. aus der Salbungsstation am Friedhof eine Osterstation und das Kreuz in der Marienkapelle…

 

… wirkte am Ostersonntag plötzlich wie ein Zeichen des Triumphs.

Wer sein Smartphone bei sich hatte, konnte an allen Stationen Links zu passenden Musikstücken finden, sodass man wirklich mit allen Sinnen genießen konnte.

Rückblickend waren wir positiv überrascht, wie viele Menschen sich auf den Weg gemacht haben. Vielleicht hat gerade die alles beherrschende Pandemie in den Menschen das Bedürfnis geweckt, Ostern bewusst zu erleben!?

Wenn wir dazu ein bisschen beitragen konnten, freut es uns sehr!