Predigt als pdf: 0322_Lukas 9,57-62 Okuli II

In Zeiten des Corona-Virus haben wir uns als Kirchengemeinde Karlsdorf-Neuthard-Forst entschieden, unsere Gottesdienste bis auf weiteres auszusetzen. Dennoch wollen wir Ihnen die Möglichkeit geben, auf das Predigtwort zum Sonntag zu hören. Dafür wird uns Pfarrer Jörg Muhm aus den Kirchengemeinden Heidelsheim und Helmsheim seine digitalen Predigten zur Verfügung stellen. Eine Aufnahme der Predigt finden Sie im Internet: www.ekg-heidelsheim.de oder www.ekg-helmsheim.de oder auf Spotify unter „Predigten Jörg Muhm“


Liebe Gemeinde!

Der Predigttext für den diesjährigen Sonntag Okuli steht im Evangelium des Lukas, Kapitel 9, Verse 57-62. Ich lese Ihnen die Worte vor. Sie tragen die Überschrift: Vom Ernst der Nachfolge

57 Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst. 58 Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege. 59 Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. 60 Er aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes! 61 Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Hause sind. 62 Jesus aber sprach zu ihm: Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

Drei Menschen begegnen Jesus und drei Mal geht es um Nachfolge. Alle drei sind willig, Jesus nachzufolgen, aber alle drei erhalten von Jesus eine Antwort, welche ihnen ihren Beschluss schwermacht. Wir wissen von keinem der Drei, wie es ausging, wie er sich entschieden hat. Alle drei Begegnungen bleiben am Ende offen.

Nachfolge ist in unserer Zeit ein entleerter Begriff geworden. Wer sich viel im Internet und in sozialen Medien bewegt, der weiß, dass Follower allgegenwärtig sind.

Ich habe einmal eine Karikatur gesehen. Da saßen ein junger Kerl und Jesus jeder hinter einem Computer. Der junge Kerl sagte: „Ich hab schon 1.300 Follower. Und sie?“ Jesus schaut etwas zerknirscht rein und antwortet: „12“

Mit der Nachfolge Jesu war und ist es damals wie heute nicht so leicht. Schon damals waren es wenige, die ihm ernsthaft nachgefolgt sind, mit allen Konsequenzen. Nachfolge Jesu war und ist nicht nur ein Klick mit der Maus, sondern echte Teilhabe am Leben Jesu. Dabei forderte Nachfolge auch immer einen Preis. Wer sie für den Weg mit Jesus entscheidet, lässt auch immer etwas hinter sich.

Die drei Menschen, von denen uns heute berichtet wird, wollten den Preis der Nachfolge aber offensichtlich nicht bezahlen.

Der erste von Ihnen äußert selbst vollmundig seinen Wunsch: „Jesus, ich will dir folgen, wo du hingehst.“ Das war eine mutige Aussage. Doch er konnte nicht wissen, wohin der Weg Jesu führte. Denn Jesus war auf dem Weg hinauf nach Jerusalem, wo er leiden und am Kreuz sterben würde.

Der Wunsch Jesus nachzufolgen, war in dieser Situation das schwerste, was man hätte auf sich nehmen können. Es war die Einwilligung in die bedingungslose Leidensgemeinschaft mit Jesus. Das hielten nicht einmal seine Jünger bis zuletzt durch.

Unter diesem Aspekt erscheint die Antwort Jesu unter einem anderen Blick: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.

Wer nicht einmal dazu bereit ist, das eigene Nest, die eigene wohlige Höhle, das eigene Bett hinter sich und sich auf das einfache Leben Jesu ein zu lassen, der vermag es auch nicht, den Leidensweg mit Jesus zu gehen.Nachfolge Jesu kann in letzter Konsequenz eben auch Leidensnachfolge bedeuten. War dieser Mensch dazu bereit? Sind wir dazu bereit?

Bei der zweiten Person, mit der Jesus ins Gespräch kommt, verhält es sich ein wenig anders. Sie wird von Jesus aufgefordert: Folge mir nach!

Er lehnt die Aufforderung Jesu auch gar nicht ab. Aber er bittet darum, zuerst seinen Vater begraben zu könne. Das aber verweigert ihm Jesu. Dabei gehörte es zu den religiösen Pflichten eines jeden Juden, für das ehrenvolle Begräbnis der eigenen Eltern zu sorgen: Du sollst Vater und Mutter ehren! Das galt auch in diesem Fall. Dieser Mensch wollte also seine Familienpflichten vor die Nachfolge Jesu stellen. Sie waren ihm wichtiger und das eben aus gutem und ehrenvollem Grund.

Jesu aber hatte eine andere Sicht. Für einen Menschen, der ihm nachfolgen und im dienen will, steht die Verkündigung des Reiches Gottes im Vordergrund. Um die Toten können sich die kümmern, die selbst tot im Glauben sind. Wer aber in und mit Christus lebt, der hat den Auftrag, die Lebenden zum rettenden Glauben einzuladen.

Wir würden heute andere Ausreden erfinden: Ich muss gerade meine Mutter pflegen, ich muss gerade mein Haus fertigbauen, ich muss gerade meinen Acker einsäen, ich muss gerade auf meine Mathearbeit lernen, ich muss gerade dies und muss gerade das. Das ist alles ehrenwert und gut, aber dadurch sind wir nicht bereit zur Nachfolge.

Und nun zur dritten Person: Auch sein Anliegen ist verständlich. Er will Jesus nachfolgen, aber zuerst will er sich von seiner Familie verabschieden. Das kann ich gute verstehen.

Ihm antwortet Jesus: Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. Einen Pflug richtig zu führen, ist nicht leicht. Sollen die Ackerfurchen gerade werden, dann muss man immer einen Zielpunkt am Ende des Ackers ansteuern. Das war damals nicht anders als heute mit modernen Schleppern. Wenn man das nicht tut, dann werden die Ackerfurchen krumm und der Spott des Nachbarn ist einem gewiss.

Jesus sucht Menschen, die mit ihm nach vorne schauen. Es dreht sich für ihn im Reich Gottes nicht um Statistiken, um Haushaltslöcher um Tradition, um das Festhalten am Alten, er sprach nicht von Denkmalschutz und Gebäudeerhalten und was weiß ich allem, mit dem wir uns heute beschäftigen.

Für ihn war es allein wichtig, Menschen zu einer neuen Beziehung mit Gott, seinem Vater, einzuladen. Wer zu viel zurückblickt und an dem Alten festhalten will, der verpasst es, das Reich Gottes in die neue

Zeit hineinzutragen.

Es sind damals wie heute nur wenige Menschen, die Jesus in aller Konsequenz nachzufolgen.

Menschen, die bereit waren, das sichere wohlige Nest aufzugeben, um mit ihm zu leiden. Menschen, die sich ganz der Verkündigung des Evangeliums verschrieben haben, Menschen, die bereit waren, selbst familiäre Bande und Althergekommenes hinter sich zu lassen, um dem Reich Gottes zu dienen.

Eine solche Nachfolge hat ihren Preis. Das haben unzählige Mönche und Nonnen erfahren, das haben Missionare gelebt und erlebt, das haben Pfarrerinnen und Pfarrer, Gemeindediakoninnen und Gemeindediakone und viele Menschen erlebt, die sich in den Dienst Gottes an den Menschen in Beruf und Ehrenamt stellen ließen.

 

Sie sind Vorbilder und doch können wir ihnen nicht in jeder Hinsicht gleich sein. Aber Jesus ruft auch uns in die Nachfolge, vor allem in die Glaubensnachfolge. Er will, dass wir durch den Glauben seine Follower, seine Nachfolger werden und mit ihm leben. Nicht jeder von uns muss darum alles hinter sich lassen, eigentlich sogar die wenigsten von uns. Aber Glaubensnachfolge bedeutet immer auch mit alten Zöpfen, alten Lebensgewohnheiten, überkommenen Wertvorstellungen, mit eigenen Gemütlichkeiten und manchem mehr zu brechen, um dem Evangelium und der Liebe Gottes zu dienen.

Und Jesus fragt auch uns: Bist Du dazu bereit? Wie weit willst und kannst du mit mir gehen? Amen.